In Gedanken an Ingvar Kamprad

Im IKEA- Restaurant steht ein Kunde. Holt sich eine Tasse Kaffee, zeigt seine IKEA- Karte vor und füllt seine Tasse wieder nach - wie jeder es hier tut. Ein ganz gewöhnlicher Kunde?
Nein, denn hier hat sich gerade der IKEA- Gründer Ingvar Kamprad unter die Besucher im Einkaufshaus gemischt. Für seine Überraschungsbesuche war Er bekannt, denn Er kam dabei meist allein. Ohne große Schar Assistenten und Sicherheitsleute. Er spazierte durch die vorgezeichneten Wege und den meisten Besuchern ist vermutlich nicht aufgefallen, dass gerade der Schatten des Möbel-Milliardärs auf das geliebtes Billy Regal gefallen war.
Leider wird dieser Schatten nie wieder in einem blauen Möbelhaus mit dem gelben Schriftzug: ,,IKEA" zu sehen sein. Am 27 Januar 2018 ist Ingvar Kamprad im Alter von 91 Jahren von uns gegangen. Die folgenden Zeilen sollen mit Hilfe seiner Biografie an Ihn und sein großes Lebenswerk erinnern.
Ich habe mir schon vor einigen Jahren das Buch ,,Das Geheimnis von IKEA" gekauft. Geschrieben wurde dieses besondere Werk im Jahre 1998 unter dem Originaltitel: ,,Historien om IKEA" von Bertil Torekull und Ingvar Kamprad. Es ist die Biografie von IKEA aber gleichzeitig auch die Biografie des fleißigen Gründers aus Agunnaryd. Dementsprechend, hält dieses Buch viele persönliche Stellen bereit. Vor allem liebe ich die Stellen, wo Ingvar Kamprad ,,erzählt". Er berichtet dann von seiner starken Mutter, die für ihn eine Heldin im stillen war und leider verstarb als Er gerade 27 Jahre alt war. Wenige Jahre später trug seine Stiftung für Krebsforschung ihren Namen. Er erzählt scheinbar immer noch voller Stolz über die ersten 100 Schachteln Zündhölzer vom 88-Öre-Basar, die Er mit Gewinn verkauft hat. Sein erstes, erfolgreiches Geschäft.
Ingvar Kamprad erinnert sich im Buch auch daran, wie oft das Geld knapp war und Er schon in jungen Jahren die Gedanken hatte: ,,Wenn ich Vater nur helfen könnte...Wenn ich nur Geld bekäme, so das ich ... Um etwas auszurichten, muß man offenbar Mittel haben... Er war gerademal 10 Jahre alt, als Er verstand, dass nur ein tüchtiger und sparsamer Mensch diese Mittel besitzen konnte. Diese Erkenntnis zog sich vermutlich durch sein ganzes Leben, denn Er war bekannt für seine Sparsamkeit. Gerade mal 2 Darlehen hatte sich der Unternehmer in seinem Leben genehemigt: Einmal 90 Kronen von seinem Vater weil Er sich übernommen hatte und 500 Kronen für 500 Füllfederhalter aus Paris die Er dann Gewinnbringend verkaufen konnte. Sehr beeindruckend, wenn man weiß, dass viele Startups heute mit Finanzspritzen von außen aufgebaut und finanziert werden.
Im Buch werden in weiteren Kapiteln mit vielen wertvollen Details, der Aufbau des schwedischen Unternehmens beschrieben. Das Packethäuschen (heute Ausflugsziel bei internen Führungsseminaren) findet besondere Erwähnung und unterstützt Dank eines Fotos im mittleren Teil die weitere Phantasie beim lesen. Es werden Höhepunkte und Erfolge genauso erwähnt wie die Tiefpunkte und Niederlagen. Sicherlich war der Widerstand der heimischen Möbelbauer eine große Hürde und führten unter anderem dazu, das Ingvar Kamprad mit seiner Produktion nach Polen ging. Die erste Reise nach Polen wird sehr genau beschrieben und wie immer im Buch wenn der IKEA-Gründer über vergangene Zeiten erzählt, ist es so, als würde man mit ihm auf seinem Hof ,,Elmtaryd" an einem Tisch sitzen und beim reden zuhören . Folglich befindet man sich recht rasch auf den letzten Seiten der Biografie wo man ein Werk findet, dass in den letzten Tagen oft zitiert wird:

,,Das Testament eines Möbelhändlers"

In seinem Testament legte Ingvar Kamprad früh (Er war gerade erst 50 Jahre alt) die Grundsätze für sein Unternehmen fest und beschreibt schon in Abschnitt 1. Das Sortiment - unsere Identität, die Idee von dem, was man heute ,,Demokratisches Design" nennt:

,,Wir wollen ein breites Sortiment formschöner und funktionsgerechter Einrichtungsgegenstände zu Preisen anbieten, die so günstig sind, daß möglichst viele Menschen sie sich leisten können"

Ein Grundsatz der vermutlich durch seine Lebenserfahrung und den vielen Erlebnissen geprägt entstanden war.
Der 9. und letze Punkt, ziert zurzeit zahlreiche Titelleisten und erinnert uns an den Visionär aus Schweden :

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,, Das meiste ist noch nicht getan. Wunderbare Zukunft."

Dieser Überschrift folgt ein Text, der sich über knapp zwei Seiten zieht. Auffällig ist der dick gedruckte Satz: Denke daran, daß die Zeit Deine wichtigste Ressource ist. Er macht mir deutlich wie wichtig Ingvar Kamprad ein erfülltes und sinnstiftendes Leben war. Das macht mich nachdenklich über meine zeitliche Ressourcen.
Der letzte Satz in diesem besondern Testament klingt wie ein Aufruf an alle Menschen dieser Erde, wie ein Spruch den man seinen Kindern vor großen Aufgaben zurufen möchte oder aber als tröstendes Wort wenn der Misserfolg sich in ein Leben geschlichen hat:

Was wir wollen, können wir, und das werden wir auch tun - gemeinsam. Wunderbare Zukunft.

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